Freitag, 19. Oktober 2012

[Rezension] Mängelexemplar von Sarah Kuttner

Achtung Spoileralarm!

Karo ist jung, erfolgreich und hat einen festen Lebenspartner. Ihr Leben ist hektisch, laut und stressig und ihr gefällt das so.

Doch dann verliert sie ihren Job. Sie fängt an ihr Leben zu verändern, trennt sich von Freunden die eigentlich keine sind und trennt sich von ihrem Lebenspartner, den sie eigentlich schon lange nicht nur nicht liebt, sondern eigentlich gar nicht mehr leiden kann.

Und plötzlich verliert sie allen Halt, sie wird von Angstattacken geplagt, Panik macht sich immer und immer wieder in ihr breit und für Karo muss sich nun noch mehr ändern.

Sie beginnt eine Therapie, muss sich ihren Depressionen und Ängsten stellen, ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und merkt dabei, dass es unglaublich schwierig ist sich selber zu spüren und zu verstehen. Sie muss lernen Dinge zuzulassen, hinzunehmen und dabei trotzdem Tag für Tag zu "über"leben.


Schon lange stand "Mängelexemplar" auf meiner Wunschliste und als ich es in einer "Mängelexemplarkiste" entdeckt habe, musste ich es auch gleich mitnehmen.

Das Buch hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Nicht nur, dass ich mich in manchen Situationen von Karo's Lebens und in ihren Gedanken erkennen konnte, nein, das Buch geht ein sehr präsentes Thema unserer Gesellschaft, das leider nahezu totgeschwiegen wird, von einer Seite an, die einen einfach nicht mehr loslässt.

Kuttner schafft es, einer Krankheit ein Gesicht zu geben- in ihrem Roman ist Depression plötzlich greifbar, man beginnt sie zu verstehen und sie ist auf einmal nicht mehr weit entfernt und betrifft einen nicht, sie ist auf einmal präsent und verständlich. Panikattacken, Depressionen, Ängste - ich denke, dass in unserer Gesellschaft die meisten Menschen schon persönlich damit zu tun hatten. Ob als selber betroffene Person oder als Angehöriger, Partner, Bekannter sei nun mal dahingestellt. Dennoch spricht man darüber eher selten ganz offen.

Ich finde, dass Mängelexemplar zum einen  Einblick gibt in das, was ein depressiver Mensch tagtäglich erlebt und zum anderen ein Mutmacher ist, für betroffene Menschen. Depressionen können behandelt werden und sie sind eine Krankheit die man haben darf. Sie sind eine Krankheit wir Bluthochdruck, Diabetes, etc. ...sie sind ein allseits präsenter Teil des Lebens, aber man muss damit nicht alleine sein und man muss es vorallem nicht totschweigen.

An vielen Stellen fiel es mir schwer weiterzulesen weil mich selber Emotionen überrannt haben. Ich habe mich selber entdeckt und habe Dinge plötzlich verstanden.

Das Buch ist nicht das was ich erwartet habe. Meine Erwartung war ein Roman der ein bisschen Psycho-Gequatsche enthält und sonst eher in die Frauenroman-Ecke abdriftet, nichts was Tiefgang hat. Da habe ich mich total geirrt.
Für mich ist dieses Buch ein absolut grandioses Werk. Es ist so leicht und locker geschrieben, irgendwie rasant, und dennoch geht es so tief, dass man sich dem Gelesenen nicht entziehen kann. Einfach nur top!

Von mir gibt es eine absolute Lese-Empfehlung!


Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren. Bekannt wurde sie als Moderatorin beim Musiksender VIVA. Sie arbeitete später als Kolumistin für die Süddeutsche Zeitung und für Musikexpress. "Mängelexemplar" ist ihr 2009 erschienener Debütroman, 2011 folgte dann ein weiterer mit dem Titel "Wachstumsschmerz".


Das Buch erschien am 23. November 2011 in der 9. Auflage im Fischer Taschenbuch Verlag und hat ca. 272 Seiten. Preis ca. 8,99€,  ISBN: 978-3596184941

 

Kommentare:

  1. Das liest sich so gut, dass ich das Buch wohl quasi lesen muss. Obwohl's mir davor graust, unnötig Staub aufzuwirbeln. Aber egal... manchmal muss eine Frau das tun, was eine Frau tun muss... ;)

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    1. Genau! So ist das und ich glaube, dass das Buch, bei allem Staub der dabei aufgewirbelt wird der Seele dennoch gut tut...

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  2. Das Buch liegt auch bei mir rum - leider noch ungelesen. Und wegen dem "Achtung Spoileralarm" habe ich den Text jetzt erstmal nicht gelesen. Aber der Post erinnert mich auf jeden Fall daran, das Buch endlich mal zu lesen.

    PS: Ich musste auch irgendwie an Fliegenpilze denken, als ich fertig war =DD

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    1. Ich bin gespannt was Du zu dem Buch sagst wenn Du es gelesen hast! Mich hat es emotional ganz schön mitgenommen und ich fand's einfach richtig gut!

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  3. Hi. Ich habe das Buch gelesen, kurz bevor mein Vater wegen Depressionen in die Klinik musste. Es hat mir geholfen, alles ein bisschen besser zu verstehen. Ist zwar immer noch schwer nachzuvollziehen für jmd. der darunter nicht selbst leidet, aber immerhin hat man das Gefühl, man weiß jetzt was in dem jenigen vorgeht.

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    1. Ich denke auch, dass es schwer bleibt nachzuvollziehen was genau in einem depressiven Menschen vorgeht.
      Aber ich finde es wichtig, dass das Thema nicht totgeschwiegen wird und Depressionen endlich auch in der Gesellschaft wirklich als Krankheit anerkannt wird.

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    2. Richtig. Es gibt noch viel zu viele Menschen, die keine Hilfe bekommen, auch wenn sie schwer depressiv sind...

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    3. Genau so ist es und das finde ich einfach nur schlimm und traurig...

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  4. ich habe das buch gekauft, aber leider noch keine zeit um es zu lesen. danke für den reminder :)

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  5. Mit dem Post hast du mich aber echt neugierig gemacht...auch wenn ich Angst habe,so ein Buch zu lesen,da ich mich momentan auf so einer vergleichbaren Ebene befinde,die da beschrieben wird. Aber das kann ja auch aufschlussreich sein...
    LG :)

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    1. Ob ich es lesen würde wenn ich akut auf so einer Ebene bin weiss ich nicht. Klar könnte es aufschlussreich sein, vielleicht aber auch zu viel Input. Das kannst aber letztlich nur Du einschätzen :)

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Ganz lieben Dank für Deinen Kommentar, ich freue mich sehr darüber <3

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